Jedes Jahr ab September sehe ich es mit Graus, die Deckensaison hat begonnen und jedes Jahr sehe ich die selben Bilder, Pferde die viel zu schnell, viel zu dick eingedeckt wurden. Oft schüttele ich nur noch den Kopf, etwas sagen bringt in aller Regel ja nichts, dennoch muss ich meinen Unmut nun doch mal Luft verschaffen.
Zu erst einmal werden hier Äpfel mit Birnen verglichen, denn ganz oft seh ich zitternde, bibbernde Pferdebesitzer, die meinen bei 10 Grad plus, Ihrem ungeschorenen Pferd, mit flauschigen Winterpelz, mal mindestens 100g drauf zu packen, denn wenn ich friere, friert mein Pferd ja auch..
Falsch! Pferde haben eine Temperaturneutralezone von -15 °C bis +25 °C Grad, das heißt im Grunde Benötigen gesunde Pferde mit Winterfell bis zu diesem Temperaturen überhaupt keine Decke um gesund durch den Winter zu kommen. Natürlich nehme ich Alte, Kranke & geschorene Pferde da raus! Pferde vertragen kältere Temperaturen sogar besser als warme, bei dem oben genannten Rahmen, muss das Pferd keine zusätzlichen Energie zum Wärmen des Pferdekörpers aufbringen. Natürlich bilden Wind und Regen auch nochmal eine Ausnahme, jedoch kann man dem mit genügend Raufutter Gabe, gut entgegnen.
Mein Pferd selbst, hatte ungeschoren im Winter lange gar keine Decke, ja auch bei zweistelligen Minusgraden und das im Offenstall, später dann eine ganz dünne Regendecke, nur auf Grund dessen, dass sie immer komplett vermatscht war, an. Und ja, auch alle anderen Pferde hatten keine Decken drauf und ja, auch die Warmblüter nicht und das in beiden „Offenställen“ in denen ich mit Inga war.
Mittlerweile ist Inga ja den Winter über geschoren und ich verstehe die Ängste vieler Pferdehalter gut, da nimmt man ihnen das Fell und will dann natürlich nicht, dass der Liebling friert.
Ich habe mich von zu frühem, hoch eindecken verabschiedet, Inga steht nach wie vor mit einer dünnen Regendecke draußen und hat diese in der Box nachts nur selten auf. Fallen die Temperaturen konstant (!) unter 10 °C bekommt sie 100g und bei Temperaturen um 0 und minusgrade bis -10 °C dann 200g. Sollten die Temperaturen tagsüber tiefer fallen, was in unseren Breiten immer seltener von Dauer ist, letzten Winter nur rund zwei Wochen, bekommt sie 300g drauf, wohlgemerkt tagsüber. Nachts differenziert sich das ganz einfach, da sie in einer Box steht, wo es erfahrungsgemäß wärmer ist. 🙂
Ich habe die kuriosesten Dingen leider schon gesehen und gehört und werde nie begreifen, warum man einem gesunden Pferd mit Winterpelz 300g draufpacken muss, oder verfalle in starkes Kopfschütteln, wenn bei über 15 °C Anfang Mai darüber spekuliert wird, ob man dem ungeschorenem Pferd wohl schon die 400g (!) Decke runterziehen kann. Ich habe solche Dinge am eigenen Stall selbst erlebt, da steht das Pferd mit Sibirischen Winterpelz und 200g bei 14 °C und Sonnenschein draußen und schwitzt sich unter der Decke das Leben aus, da wird dann kurzer Hand ausgedeckt und gebetet, dass die Besitzerin nicht auf die Idee kommt, die Decke wieder drauf zuziehen. Oder wenn gefragt wird, ob man demselben Pferd denn am Wochenende schon die Decke runternehmen könnte, es sollen ja 18-20 °C geben, zu diesem Zeitpunkt stand mein geschorenes Pferd schon tagsüber komplett ohne Decke in der Sonne und Nachts mit einer dünnen Regendecke draußen..
Unsere Pferde sind nicht aus Zucker und in keinem Fall mit unserem Empfinden, was Wärme und Kälte betrifft zu vergleichen. Unnötiges, zu hohes Eindecken schadet unseren Pferden mehr, als das sie einen Nutzen davon hätten, deswegen bitte ich euch innigst einmal zu überlegenen.
Brauch mein Pferd überhaupt eine Decke? In den meisten Fällen, wenn ihr ehrlich zu euch seid, wohl eher nicht. Und sollte dies doch der Fall sein, überlegt genau, brauch euer Pferd wirklich schon die 100g, wo es doch noch nicht mal richtig kalt ist? Oder reicht doch nur eine Regendecke, um es bei dem grausigen Wetter trocken zu halten?
In diesem Sinne, einen schönes Restwochenende meine Lieben! 💓